Zertifikate sind aktuell der absolute Hit. Jeden Tag werden hunderte der unterschiedlichsten Zertifikate (Bonus-Zertifikate, Express-Zertifikate, Clique, Locker …) auf den Markt gebracht. Die Ausgestaltungen dieser Zertifikate sind meistens sehr komplex. Der Investor ist nicht in der Lage das Produkt nur annähernd zu verstehen. Somit haben wir ganz klar eine Situation von asymmetrischen Informationen. Es liegt also der Verdacht nahe, dass wie immer in solchen Fällen die Käufer solcher Bonuszertifikate kein gutes Geschäft machen. Es lässt sich vermuten, dass aufgrund der Komplexität und Intransparenz dieser Produkte einiges an Gebühren in dem Produkt versteckt werden. Da wir nicht einfach irgendwas behauptet wird, werde ich mal versuchen ein solches Zertifikat zu analysieren und transparent zu machen.
Grundlegende Funktionsweise eines Bonuszertifikates
Laufzeit: 4 Jahre
Basiswert: Aktie xyz
Aktueller Aktienkurs: 100
Bonuslevel: 120
Sicherheitslevel: 80
Na das klingt doch gut, ein Bonus- und ein Sicherheitslevel. Aber was heißt das jetzt genau?
Bei Fälligkeit ergeben sich folgende Fälle
Fall 1: (Sicherheitslevel gerissen)
Ist der Aktienkurs einmal während der Laufzeit unter den Sicherheitslevel von 80 gefallen, erhält man genau den Aktienkurs am Laufzeitende ausbezahlt. Liegt der Aktienkurs zum Beispiel am Laufzeitende bei 60, so erhält man 60 zurück. Liegt er am Laufzeitende bei 90, war aber einmal unter 80 gefallen, so bekommt man 90.
Fall 2: (Bonuslevel gerissen)
Liegt der Aktienkurs am Ende der Laufzeit (nur am ende der Laufzeit, nicht einmal während der Laufzeit wie beim Sicherheitslevel) über dem Bonuslevel von 120, dann bekommt man auch genau den Aktienkurs ausgezahlt. Liegt der Aktienkurs am Laufzeitende bei 140, so bekommt man 140 ausbezahlt.
Fall 3: (beide Levels intakt)
Liegt der Kurs am Laufzeitende unter dem Bonuslevel von 120 und ist niemals unter den Sicherheitslevel von 80 gefallen, dann erhält man den Bonuslevel. Liegt der Aktenkurs also nach 4 Jahren immer noch bei 100 und ist niemals unter 80 gefallen, so erhält man also 120 zurück.
Zwischenfazit:
Na das sieht doch auf den ersten Blick ganz gut aus. Im Fall 1 und 2 steht man genauso da als hätte man die Aktie gekauft und im Fall 3 sogar erheblich besser. Aber halt, so einfach ist es nicht. Normalerweise bekommt man ja eine Dividende, wenn man Aktien besitzt. Die gibt es hier offenbar nicht.
Wir haben also folgenden Trade-off:
Der Investor verzichtet auf die Dividende erhält aber im Fall 3 (Aktienkurs zur Fälligkeit unter Bonuslevel, aber über Sicherheitslevel), den Bonuslevel ausgezahlt, der in diesem Fall über dem aktuellen Kurs liegt.
Es gilt also abzuwägen wie hoch der Vorteil von Fall 3 im Vergleich zur Aufgabe der Dividende ist. Das hängt natürlich von der konkreten Ausgestaltung ab.
Betrachten wir ein aktuelles konkretes Beispiel:
Basiswert: BASF Aktie
Laufzeit: 3 Jahre 10 Monate
Aktueller Kurs Bonuszertifikat: 70
Aktueller Kurs BASF: 70
Sicherheitslevel: 49
Bonuslevel: 89
Dividende: 3%
Aktueller Zins: 4%
Volatilität: ca. 20%
Unter den üblichen Annahmen der Finanzmathematik kommt man auf folgende Ergebnisse:
Für die einzelnen Fälle ergeben sich folgende Eintrittswahrscheinlichkeiten:
Fall 1 (Unterschreitung des Sicherheitslevels): 37%
Fall 2 (Überschreiten des Bonuslevels): 23%
Fall 3 (Beides Levels intakt): 40%
In Fall 1 und 2 (60% Wahrscheinlichkeit) hat der Käufer den gleichen Rückzahlungskurs wie beim Erwerb der Aktie, muss aber auf 4 Dividendenzahlungen von insgesamt ca. 8 Euro oder etwa 12% verzichten. 8 Euro Verlust relativ zur Aktienanlage
Im Fall 3 sieht es besser aus. Hier bekommt der Käufer 89 Euro. Abzüglich der 8 Euro entgangener Dividende ist man damit in allen Fällen besser als der Aktionär dran, wenn der Aktienkurs unter 81 Euro am Laufzeitende liegt. Freilich ohne irgendwann mal den Sicherheitslevel verletzt zu haben.
Der Fair Value dieses Bonuszertifikates liegt nach meinen Berechnungen bei ca. 67 und nicht bei 70.
Kein gutes Geschäft…